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Vier Waden gegen das Elsass

Relativ spontan kam die Idee zu Stande und konnte mit etwas Wetterglück auch umgesetzt werden den Grand Ballon d’Alsace zu bezwingen. Dieses historische Monument des Dreilandes sollte auch im Repertoire des VMCB stehen und so machten sich Christian und Thomas auf das Elsass zu erkunden. Dank modernster Navigation und der Bereitschaft, trotz Dunkelheit und frischen Temperaturen das Bett früh morgens zu verlassen schien eine gewisse Erfolgsaussicht zu bestehen.

Start am Kannenfeldplatz in Basel und dann dem Rhein entlang am neuen Uferweg Richtung Village Neuf. Von da an dem Rheinseitenkanal nach und später dem Verlauf des Canal du Rhone au Rhin folgend ins elsässische Hinterland. Wunderschön wie so der Verkehr umfahren werden konnte und schon erste Botschafter des historischen Hintergrunds der Gegend erblickt werden konnten. Oder anders ausgedrückt: da werden Panzer und schwere Artillerie einfach in der Botanik parkiert! Dank grün in grün nicht ganz so auffällig.

Vor Soultz-Haut-Rhin erfolgte der Kaffeehalt. Eine kleine Patisserie machte Lust auf Kaffee und Süsses. Man wollte ja gestärkt in den Hauptteil fahren. Kurz den passe sanitaire (Covid-Zertifikat) gezückt und schon gab es feinsten Kaffee und ein Himbeerbrötchen. Klingt en français natürlich besser aber die Stärken des Autors liegen in anderen Bereichen.

Im Anschluss gab es ein kurzes Intermezzo mit einer Oldtimer-Raid welches dazu führte dass die zwei Pedaleure die Dorfstrasse alleine geniessen durften. Und als Soultz verlassen wurde fing der Spass so richtig an. Schön beständig fing die Strasse an zu steigen, bei jedem Kilometer kam die Infotafel wie weit es bis bis zur Spitze noch ist und wie stark die Strasse auf den nächsten 1000 Metern im Durchschnitt ansteigt. Derart informiert und mit einer wunderschönen Szenerie im Wald macht das Höhenmetersammeln doppelt Spass.

Am Col Amic traf sich das kleine Bergsträsschen dann mit der eigentlichen Route auf den Ballon welche den romantischen Namen «D431» trägt. Ab da war vorbei mit freundlich sein. Der Strassenbelag wurde rauer, die Strasse breiter, gerader und damit für den motorisierten Verkehr auch schneller. Und in einigen Spitzkehren wurde (zwecks Temporeduktion?) noch Kopfsteinpflaster verbaut. Von den ursprünglichen fünf bis sechs Steigungsprozenten war auch nichts mehr zu sehen. Von hier gings es steiler zu Werke. Und auch kühler. Je höher man stieg umso weniger Sonne war vorhanden. Der Ballon verhüllte sich in Nebel, Feuchtigkeit mischte sich mit Schweiss auf der Stirn. Der spärliche Tourismusverkehr bekam davon nichts mit, aufs Gas gedrückt oder am Gas gedreht lässt es sich einfacher hochfahren. Aber wer will schon einfach?

Christian folgte seinem Tempo und erschien schon halbwegs erholt als auch Thomas das finale Schild erreichte. Im Anschluss gab es dann eine wohlverdiente kleine Stärkung ehe die Abfahrt aufgenommen wurde. Der Nebel hat sich bis dahin noch stärker verdichtet, man sah keine 20 Meter weit und entsprechend vorsichtig wurde das Unterfangen gestartet. Da war ja noch eine Ziegenherde unterwegs welche sich an keine Absperrungen halten musste.

Hinter dem vorhin schon erwähnten Col Amic stellte sich eine Gegensteigung in den Weg welche aber locker und lässig befahren werden konnte. Nach einer Passage auf dem Bergrücken erreichte das Duo das «monument nationale» auf dem Hartmannswillerkopf. Eindrücklich erhob sich die Krypta aus dem Massiv. In Lycra gekleidet wäre eine ausführliche Besichtigung dieser Denkstätte jedoch unpassend gewesen, von den Rennradschuhen ganz abgesehen. Somit stürzten sich die zwei in die wunderschöne Abfahrt hinab nach Cernay. Dort wurde nach kurzer Suche eine Verpflegungsmöglichkeit gefunden welche den Kalorienbedarf über das ganze Wochenende abdecken konnte. Die Cordon bleus gaben nochmals extra Saft auf die Kette.

Die finalen 65 Kilometer wurden so zwar nicht zum Klacks aber immerhin machbar. Die zum Teil öden und langen Überlandstrassen wurden gepaart mit gepfeffertem Gegenwind zur mentalen Herausforderung und als auf dem Radweg zurück Richtung Basel dem Kanal entlang auch noch jede noch so kleine Wurzel die Wirbelsäule zucken liess war die Müdigkeit definitiv zu spüren. In moderatem Tempo schlichen sich die zwei der Grenze entgegen und konnten nach total rund 160 Kilometer das Unternehmen «Ballon d’Alsace» als abgeschlossen betrachten.

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